Herbsttrekking mit Zelt: 1 Woche Rothaarsteig, 7 Learnings und die komplette Packliste
Was machst du, wenn dich im Herbst die Trekking-Laune packt und du das Zelt „noch ein letztes Mal“ rausholen willst? Du packst dir warme Klamotten ein und suchst dir eine Strecke mit guter Infrastruktur. Ich war Mitte Oktober 2026 eine Woche auf dem Rothaarsteig zwischen Sauerland und Hessen unterwegs. Hier gibt’s meine Learnings, meinen Blick auf den Weg und meine Packliste.
Warum der Rothaarsteig? Und warum überhaupt das Ganze?
„Ich wollte noch mal mit Zelt raus, und das erschien mir die passende Strecke.“ Viel mehr kann ich tatsächlich nicht sagen, wenn mich jemand fragt, warum ich im September 2026 auf die Idee kam, den Rothaarsteig zu wandern. Ich hatte das ganze Jahr über nicht eine Nacht im Zelt geschlafen und fand das plötzlich unerhört (mit Ausrufezeichen!). Gleichzeitig packte mich wieder dieser Wunsch, meine Komfortzone noch mal zu verlassen, bevor dann die herbstlich-winterliche Einmuckelzeit so richtig beginnt.
Da ich meine Touren eigentlich immer nach Bauchgefühl aussuche, bin ich dem Impuls Rothaarsteig gefolgt. Rückblickend schätze ich, dass mich die Mischung aus schöner Natur, fröhlichen Anstiegen und Aussichten sowie die gute Infrastruktur mit Zelt- und Campingplätzen gelockt haben. Viel Weg mit wenig Planung in einer Gegend, die mich landschaftlich reizt. Zudem zählt der Rothaarsteig zu den „Top Trails of Germany“ – da kann man auf vielen Ebenen mit einem tollen Erlebnis rechnen.
Zeit für mich – zum Austesten, zum Abenteuern, zum Nachdenken
Trotzdem lag der Fokus weniger auf dem Weg, sondern vielmehr auf dem allein Unterwegssein mit Zelt. Ich hatte das Bedürfnis, Zeit mit mir allein zu verbringen und darauf, meine Grenzen ein bisschen auszutesten. Irgendwie hatte es sich in meinen Kopf gewurmt, dass ich endlich die erste Nacht allein im Wald verbringen möchte (im Oktober, haha…). Das stand schon so lange auf meiner Liste und vielleicht war es aus einem kleinen Abenteuer-Defizit heraus jetzt fällig. Zudem hatte ich mir durch diesen späten Trekking-Trip ein bisschen mehr Klarheit für nächstes Jahr erhofft: Was will ich nächstes Jahr unternehmen? Steht Trekking mit Zelt auf der Liste? Wo soll’s hingehen? Wie ungemütlich darf es werden?
Tatsächlich habe ich einige ziemlich gute Erkenntnisse unterwegs und im Nachhinein gehabt – sowohl in Bezug auf das Wandern mit Zelt im Herbst als auch mit Blick auf Unternehmungen in 2027. Here goes…
7 kleine und große Learnings von der Tour
1. Einen Müllsack mitnehmen.
In den zwei Wochen vor meiner Tour war feinstes Wetter – fast noch spätsommerlich warm mit viel Sonne, leichter Brise und so einer netten, entspannten Lichtstimmung. Während meiner Tour kam dann der Wettereinbruch: Regen, viel Wind, einstellige Temperaturen.
Ganz ehrlich? Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Wäre es schöner gewesen, in den zwei Wochen davor zu wandern? Sicher.
Wäre ich genauso aus meiner Komfortzone gekommen? Sicher nicht.
Dank des Herbstwetters hatte ich mit einem nassen Zelt und feuchten Klamotten zu tun. Darauf war ich eingestellt – dachte ich: Mein Packsack fürs Zelt hat dann aber leider nicht dichtgehalten und haarscharf mein restliches Equipment auch in Mitleidenschaft gezogen. Also habe ich im nächsten Café nach einem Müllsack gefragt. Der hat mich dann die restliche Woche begleitet und zuverlässig alles Nasse vom Rest getrennt.
2. Das Zelt immer, immer, IMMER abspannen.
Meine Nacht auf der Trekkingplattform lief nicht ganz so idyllisch, wie ich sie mir ausgemalt hatte. Als ich ankam, wurde es schon leicht dämmrig. Feucht-frisch war es eh. Also schnell das Zelt aufgebaut. Nur um festzustellen, dass die coolen Plattformheringe, die ich extra mitgenommen hatte, nicht tief genug für die Holzplanken waren (mein Zelt steht frei, es ging also nur um die Apsides). So lassen oder noch eine Lösung herbeifummeln? Glücklicherweise habe ich mir die Zeit genommen und das Zelt noch mal umgestellt, so dass ich es mit Schnüren an den Planken abspannen konnte. Es hat dann nämlich die ganze Nacht geregnet und ohne Abspannen wäre das äußerst ungemütlich geworden…
Vorteil des Regens: Ich habe nur das Geprassel gehört und nicht jedes kleine andere Geräusch. So habe ich mir bei meiner ersten Zeltnacht allein im Wald zumindest nicht den Arsch weggegruselt. 😉
3. Geh den ersten Tag locker an – auch und gerade im Kopf.
Ich brauche bei solchen Touren immer ein bisschen, um reinzukommen.
Zum einen körperlich, denn den Trekking-Rucksack trage ich ja nicht so oft und muss mich erst wieder dran gewöhnen. Daher plane ich für den ersten Tag eine kürzere Etappe und stelle mich am zweiten darauf ein, dass ich etwas verspannt sein könnte.
Viel mehr ins Gewicht fällt aber, dass mein Kopf erst ankommen muss. Auch wenn der Rothaarsteig jetzt keine Tour ist, bei der man tagelang fern der Zivilisation die Wildnis durchquert – es war trotzdem etwas Neues für mich, auf das ich mich einstellen musste. Die Wetterlage hat meinen Kopf zusätzlich beschäftigt:
Hoffentlich kann ich im Trockenen das Zelt aufbauen…
Mal sehen, wie ich das nachher mit dem Essenkochen mache…
Mir ist jetzt schon kalt, wie soll das heute Abend im Zelt werden…
Glücklicherweise hatte ich am ersten Abend die Gelegenheit, auf dem Campingplatz spontan ein Fasshäuschen zu mieten. Es hatte den ganzen Tag geregnet, mir war kalt und ich konnte dem Gedanken, mein Zelt in der regnerischen Dämmerung aufzubauen, so gar nichts abgewinnen. Also war ich freundlich und nachsichtig zu mir und habe eine gute Alternative für mich gefunden. Am nächsten Tag war ich dann schon mehr „drin“ und habe eine Regennacht auf einer Trekkingplattform im Wald verbracht. Ich weiß, dass ich das kann. Ich weiß aber auch, dass ich das nicht auf Teufel komm raus muss. Beim nächsten Mal würde ich mir wahrscheinlich für die erste Nacht direkt eine Unterkunft buchen – einfach, weil’s für meinen Kopf entspannter ist.
4. Weniger Essen mitnehmen. Vielleicht.
Es gibt Tage, da muss ich ständig was essen, um am Start zu bleiben. Ich kann es gar nicht ab, wenn mir plötzlich die Power fehlt und ich dieses schwummerige Gefühl kriege, das mir sagt: „Sorry, Akku leer…“. Ich brauch dann nämlich ne Weile, bis ich aus so einem Energie-Tief wieder rauskomme. Deshalb habe ich immer lieber zu viel als zu wenig Essen mit. Auch bei kleinen Touren ist mindestens immer ein Snack extra im Rucksack. Du kannst dir ja vorstellen, wie das dann bei ner Woche Trekking aussieht: ca. 2 kg Essen zu Beginn der Wanderung.
Ich lenke gleich mal ein und sage dazu: Ich wollte das auch so. Stichwort ist wieder die Komfortzone. Mein Plan war, Essen für die ganze Woche mitzunehmen, um zu gucken, ob ich’s kann. Platzmäßig, kräftemäßig, logistisch. Dabei habe ich so gerechnet, dass ich ab und zu mal Frühstück, einen Mittagssnack oder Kaffee und Kuchen unterwegs bekomme. Grundsätzlich wollte ich mich aber selbst verpflegen und habe mit eingerechnet, dass es unterwegs fast keine Supermärkte gibt – zumindest nicht, wenn man durchgehend auf dem Rothaarsteig bleiben will.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich es etwas übertrieben habe: „Pack your fears“ lässt grüßen. Irgendwie waren die Kuchen-Einkehrmöglichkeiten doch zu verlockend, ich durfte jedes Mal großzügig vom Frühstück für den Weg einpacken und insgesamt hatte ich viel weniger Hunger als ich das von mir gewohnt bin.
5. Fitness-Studio hat sich ausgezahlt.
Ich gehe seit einem Jahr ins Fitness-Studio und mache ca. 2x die Woche Krafttraining. Da ist mindestens ein Leg-Day dabei, an dem ich gezielt meine Beine trainiere: Step-ups, Squats, Lunges…alles, was meinen Beinen und meinem Po dabei hilft, mich stärker und sicherer durch die Gegend zu tragen.
Über das Jahr hinweg, aber besonders auf dem Rothaarsteig, habe ich gemerkt, wie sich das auszahlt. Die vielen Steigungen haben mir nichts ausgemacht – trotz des (mit viiiel Essen gefüllten 😉 Trekkingrucksacks.
Ich erinnere mich, dass ich bei bisherigen Touren mit Zelt auch viel kaputter am Tagesende war. Die 12 kg extra machen schon was mit einem – zumindest am Anfang einer Tour. Hier brauchte ich mich nicht mal einlaufen; es war von Anfang an okay. Darüber habe ich mich mega gefreut und es hat mich darin bestätigt, schön weiter trainieren zu gehen.
6. Je freier ich eine Wanderung gestalten kann, desto mehr habe ich davon.
Wenn ich friere und der Regen mit Wind von der Seite kommt, ist Rumgucken und Verweilen nicht meine liebste Beschäftigung. Auf dem Rothaarsteig bin ich oft zügig voranmarschiert, weil…
…ich mich warmhalten wollte.
…ich wusste, dass es nicht mehr so lange hell ist und ich mein Zelt nicht im Dunkeln aufbauen wollte.
…ich durch das Wetter oft keine Muße fürs Stehenbleiben, Gucken und Pause machen hatte.
Im Nachhinein ist daraus eins der wichtigsten Learnings entstanden. Denn wenn du mich fragst, was für mich einen schönen Wandertag ausmacht, dann würde ich sagen: Ich habe am meisten von einer Wanderung, wenn ich keinen Zeitdruck spüre und den Tag einfach so kommen lassen kann. Kurz mal anhalten, rumgucken, ein Foto machen, mein Tempo gehen…
Das ging bei dieser Trekkingtour aufgrund der Jahreszeit und der Wetterbedingungen häufig nicht. Und das war auch vollkommen okay – schließlich lag der Fokus auf der Herausforderung und dem Klären der Frage: „Kann ich das?“ Ich weiß jetzt, dass ich das kann. Ich weiß jetzt auch, dass meine Idealvorstellung von einer Tour mit Zelt anders ist. Zumindest, wenn ich sie intensiv genießen und nicht nur ablaufen will.
7. Die Dankbarkeit für die kleine Dinge steigt mit den Herausforderungen der Tour.
Dieses Learning kenne ich schon von meiner Radreise letztes Jahr. Es hat sich bei meinem Herbsttrekking wieder bestätigt. Wenn die Umstände eine Tour anstrengend oder herausfordernd machen, weiß ich die kleinsten Sachen zu schätzen. Auf dem Rothaarsteig gab es viele kleine Momente und „Geschenke“, die mir sehr positiv in Erinnerung bleiben:
- Sonne und klaren Himmel auf einer Bank genießen
- die Einladung zu einem Morgenkaffee im WoMo von Co-Campern
- mehrere zufällige Begegnungen mit einem holländischen Paar, die ebenfalls mit Zelt unterwegs waren
- zwei Zeltplätze mit Überdachung
- abends Lesen in der beheizten Damentoilette
- ein warmes Abendessen, bevor es ins Zelt geht
- unerwartete Geschenke in Form von Keksen, Kuchen und Tee
- pittoreske Fliegenpilze am Wegesrand
- nette Unterhaltungen mit Fremden an Hütten, in Cafés oder mitten auf dem Weg
- mein Equipment, das mich nachts bei 5°C warmgehalten hat
Der Rothaarsteig – meine Eindrücke und allgemeine Infos
Klar, als zertifizierter Qualitätswanderweg hat der Rothaarsteig einiges zu bieten.
Ich erinnere mich am liebsten an…
…die kleinen krökeligen Naturpfade, die sich durch moosigen Wald schlängeln. Dazwischen immer wieder Fliegenpilze als Farbkleks.
…die knackigen Steigungen, bei denen ich mich so richtig schön mit meinen Trekkingstöcken den Berg hocharbeiten konnte.
…die fast schon alpine Gegend rund um die Bruchhauser Steine. Beeindruckende Gesteinsformationen mit schmalen steilen Pfaden. Leider war das Wetter an dem Tag so oll, dass ich dort nie lange stehen bleiben und genießen konnte.
…die hervorragende Infrastruktur. Der Weg ist bestens ausgeschildert, so dass du ihn auch ohne GPS-Navigation laufen kannst. Zudem gibt’s eine Vielzahl schöner Sitzgelegenheiten, Hütten und Aussichtspunkte. Ich habe mehr als einmal gedacht: „Wie nett! Wäre das Wetter jetzt besser, würde ich hier ein bisschen Pause machen.“ Stattdessen habe ich gern einen Kaffeestopp in einem der Lokale am Weg eingelegt – davon gibt’s auch genug.
…die netten Begegnungen auf dem Weg. Sowohl Sauerländer als auch Hessen sind ein kommunikatives Völkchen. Ich habe mich unterwegs sehr gut mit anderen Wandernden unterhalten und empfand auch meine Gastgeber als sehr freundlich und hilfsbereit.
Doch damit musst du auch rechnen:
Wie viele Höhenwege in Deutschland hat sich auch der Rothaarsteig durch Klimawandel und Trockenheit verändert. Wo man früher durch Fichtenwald gelaufen ist, sind jetzt viele Brachflächen.
Ich finde das landschaftlich ganz spannend, denn mittlerweile kommen an vielen Stellen Pioniergewächse hoch, so dass es wieder grüner und vielfältiger aussieht. Zudem hat man jetzt an viel mehr Stellen Ausblicke ins Land und der Weg ist natürlich insgesamt heller. Manche Etappen führen allerdings über viele Kilometer durch solche Gebiete und das kann schon mal monoton oder etwas deprimierend wirken.
Dazu kommt, dass momentan weite Strecken an Zäunen entlanglaufen. Diese wurden 2025 aufgestellt, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Die Wege dazwischen sind häufig geschottert. Ob das vorher auch so war oder zur besseren Instandhaltung der Zäune gemacht wurde, weiß ich nicht. Jedenfalls sorgen die Zäune im Rothaargebirge für gespaltene Meinungen, wie dieser aktuelle WDR-Beitrag zeigt. Ein Rückbau ist derzeit nicht in Sicht. Dieser darf frühestens ein Jahr nach dem letzten Fund eines infizierten Wildschweins angeschoben werden.
Infos zum Rothaarsteig
- Fernwanderweg über den Kamm des Rothaargebirges
- Start: Brilon | Ziel: Dillenburg
- Länge: 154 km
- Höhenmeter 2.297/2.522 hm
- Qualitätswanderweg: einer der “Top Trails of Germany”; auch “Weg der Sinne” genannt
- Wege: 41 % naturnah, 47 % Feinschotter, 12 % Asphalt
Kurze Zusammenfassung meiner Tour in Etappen
Etappe 1: Brilon – Bruchhausen | 18 km | 460/440 hm; Übernachtung Campingplatz Bruchhauser Steine (spontan Fasshäuschen gemietet)
Etappe 2: Bruchhausen – Elkeringhausen | 25 km | 800/640 hm; Übernachtung Trekkingplattform Elkeringhausen
Etappe 3: Elkeringhausen – Schanze | 26 km | 650/540 hm; Übernachtung Womo-Stellplatz Almhütte Schanze
Etappe 4: Schanze – Rhein-Weser-Turm | 23 km | 410/460 hm; Übernachtung Womo-Stellplatz Zur Hahnenquelle
Etappe 5: Rhein-Weser-Turm – Lützel | 19 km | 400/490 hm; Übernachtung Pension Vogt
Etappe 6: Lützel – Dorf Sohl | 21 km | 380/380 hm; Übernachtung Camping Sohl
Etappe 7: Dorf Sohl – Rodenbach | 21 km | 280/540 hm; Rückfahrt
Ich hatte nur 7 Tage Zeit, daher bin ich nicht bis nach Dillenburg gegangen. Stellenweise bin ich vom Rothaarsteig abgewichen, um meine Übernachtungsplätze zu erreichen. Diese Schleifen waren aber alle recht übersichtlich.
Equipment für 1 Woche mit Zelt auf dem Rothaarsteig – Packliste
Ich liebe mein Zeug! Das habe ich bei diesem herbstlichen Praxiseinsatz wieder festgestellt. Ich könnte mich hier wieder seitenweise auslassen über die leichten und teils ultraleichten Adventure-Buddys in meinem Rucksack. Mache ich aber nicht, denn das habe ich schon in diesem Blogbeitrag zu meiner Radreise 2025 gemacht. Schau also gern mal dort, wenn dich detaillierte Infos zu meinem Setup interessieren.
Dazu habe ich dir eine Packliste Herbsttrekking mit Zelt erstellt. Da kannst du kurz und knackig sehen, was ich dabei hatte.
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