Wandern für Einsteiger – lass dich von diesen 3 Glaubenssätzen nicht ausbremsen!
Sich draußen in der Natur bewegen und die Welt zu Fuß erleben – klingt grandios für dich?! Ja, schon… Wären da nicht diese fiesen kleinen „Abers“, die dich immer wieder davon abhalten, endlich loszugehen. Guck mit mir auf die 3 häufigsten Glaubenssätze, mit denen das Wandern für Einsteiger behaftet ist – und finde einfache Wege, sie hinter dir zu lassen.
„Wandern ist nur was für körperlich fitte Leute.“
Okay, hier muss ich direkt mal mit der Frage „Was kam zuerst – die Henne oder das Ei?“ einsteigen. Denn ja, Wandernde kommen in unserer Wahrnehmung meistens ziemlich fit rüber. Doch auch die haben irgendwann mal angefangen, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und durchs Machen hat sich ihre Fitness gesteigert.
Man könnte also den Glaubenssatz umdrehen und sagen: „Leute werden durchs Wandern körperlich fitter.“ So gefällt mir die Aussage schon wesentlich besser, denn sie lässt Spielraum für Entwicklung und zeigt dir einen positiven Weg auf.
Umgang mit diesem Glaubenssatz: Mach dir deine eigene Definition vom Wandern
Die Hürde hinter diesem Glaubenssatz liegt weniger in deiner körperlichen Fitness, sondern vielmehr in deiner Vorstellung vom Begriff „Wandern“ oder „Wanderung“. Guck mal, ob du auf einen oder mehrere dieser Klassiker anspringst:
- Eine richtige Wanderung geht erst ab 15 km los.
- Wenn man wandert, ist man auf jeden Fall mehrere Stunden unterwegs.
- Zum Wandern muss man in den Wald gehen oder Berge hochsteigen.
Bei solchen Pauschalaussagen liegt die Latte gleich so hoch, dass leicht der Gedanke aufkommt: „Uff, das schaffe ich nicht.“ Verabschiede dich also ganz schnell davon und mach dir deine eigene Definition vom Wandern: 20 Minuten durch den Park, eine Runde ums Feld von der Haustür aus oder eine abendliche Runde durch deine Wohngegend.
Das sind alles prima Einstiege. Sie können dir ganz viel von dem geben, was eine Wanderung vor allem ausmacht: frische Luft, Bewegung und neue Perspektiven. Hauptsache, du gehst los. Mit jeder Tour bekommst du ein besseres Gefühl dafür, was du und dein Körper schaffen können. Und das ist die einzige Messlatte, die du für den Begriff „Wandern“ brauchst.
„Als Wanderin oder Wanderer brauche ich spezielles Equipment.“
Wenn du auf Social Media oder anderswo Bilder von Wandernden siehst, dann sind sie meistens sehr gut ausgestattet: spezielle Wanderschuhe, Hightech-Rucksack, schmissige Klamotte und Tekkie-Gadgets. Da kann schnell der Eindruck entstehen, dass du all das brauchst, um „richtig“ wandern zu gehen. Wenn wir jetzt über eine Alpenüberquerung, eine Mehrtagestour mit Zelt oder einen Trip in die Tropen reden würden, wäre ich voll dabei. Wir reden aber über Einsteigertouren. Und da kann ich dich beruhigen: Du kommst in der Regel mit dem hin, was du bereits zu Hause hast.
Umgang mit diesem Glaubenssatz: Mach dir dein Vorhaben klar und setz es in Bezug zu deinem Alltag
Hier kommen ein paar Denkimpulse, die dir helfen, deine Wanderung und das dafür benötigte Equipment realistisch zu beurteilen.
Wie lange bin ich unterwegs?
Bring die Länge deiner Wanderung mit etwas in Verbindung, bei dem du „Strecke machst“ und auch kein spezielles Equipment hast: zum Beispiel beim Shoppen, auf einer Messe, einem spontanen Spaziergang oder einem Städtetrip. Wie oft laufen wir bei sowas stundenlang durch die Gegend und machen uns keinerlei Gedanken über Schuhe und Klamotten?
Oft tragen wir dabei Taschen oder Rucksäcke um Dinge wie Portemonnaie, Smartphone, Trinkflasche oder einen Snack mitzunehmen. Warum sollte dein Alltagsrucksack für den Einstieg nicht auch zum Wandern funktionieren? Und: Wenn du nur ein Stündchen unterwegs bist – brauchst du dann überhaupt eine Tragemöglichkeit oder bringst du Schlüssel, Smartphone und Snack anderswo unter?
Wo gehe ich und wie ist der Untergrund beschaffen?
Bei Einsteigertouren kannst du davon ausgehen, dass die Wege gut begehbar sind. Schotter, Asphalt, festgetretene Erde…das stellt in der Regel keine besonderen Anforderungen an deine Schuhe. Auch die Steigung ist eher moderat, weshalb du oft schon mit einem Paar bequemer Sneaker oder flacher Stiefel gut unterwegs bist. Hauptsache, die Schuhe passen dir gut und haben sich schon bei anderen Alltagsgängen (siehe oben) bewährt.
Welches Wetter erwarte ich?
Vorm Losgehen kannst du einen Blick in eine der zahlreichen, kostenfreien Wetter-Apps werfen. Je nachdem, was angesagt ist, könntest du folgendes machen:
Regen: Du brauchst nicht gleich die 300 Euro teure High-end Hardshell-Jacke. Eine normale Jacke plus Schirm tut’s auch.
Sonne: Deine Alltags-Sonnenbrille und ein Cap reichen aus, um dich vor der Sonne zu schützen. Spezielle Outdoor-Brillen oder Hüte sind genau das – auf spezielle Einsatzzwecke zugeschnitten und Overkill für Einsteigertouren.
Kälte: Frieren ist auch im Alltag nicht schön – daher hast du sicher die Basics wie Winterjacke, Mütze, Schal und Handschuhe zu Hause.
Wie finde ich mich zurecht?
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du ein Smartphone hast. Und damit bist du in Sachen Navigation bestens ausgestattet. Ob Google Maps oder komoot – es gibt tolle kostenfreie Apps, die du nutzen kannst, um deinen Weg zu finden. Da braucht’s kein GPS-Gerät oder die teure Smartwatch. Zudem hast du so ja auch gleich deine Kommunikationsmöglichkeit anbei. Alternativ kannst du dir einen bekannten, gut gepflegten Wanderweg aussuchen. Der ist dann nämlich auch sehr übersichtlich beschildert und du brauchst gar keine digitalen Helferlein.
Das Wandern für Einsteiger ist in punkto Equipment nicht sooo kompliziert: Meistens haben wir schon alles zu Hause, was wir brauchen. Wenn du dich und deine Bedürfnisse über die ersten Touren besser kennengelernt hast, kannst du dir immer noch spezielles Equipment anschaffen.
„Wenn ich wandern will, muss ich die Umgebung gut kennen.“
Warum sind wir Menschen als Spezies so erfolgreich? Ein Grund ist bestimmt unsere Fähigkeit, vorausschauend zu planen und Konsequenzen abzuwägen. Was früher überlebenswichtig war, ist auch heute noch tief in uns verwurzelt: Wir wissen gern, was auf uns zukommt, so dass wir uns drauf einstellen können. Prinzipiell ist an dieser Einstellung auch beim Wandern nichts verkehrt. Wer möchte sich schon orientierungslos, durstig, hungrig, mental und körperlich überfordert durch die Pampa kämpfen, wenn es sich vermeiden lässt?! Wie gut, dass es heutzutage viele kleine Helferlein gibt, die es dir leicht machen, eine Tour und ihre Umgebung einzuschätzen. So kannst du auch entspannt in Gegenden losziehen, die du selbst (noch) nicht so gut kennst.
Umgang mit diesem Glaubenssatz: Mach dich vorher schlau – es gibt viele Wege und Tools dafür
Wie viele Informationen du benötigst, um entspannt auf eine Wanderung zu gehen, ist total individuell. Das hängt von deiner körperlichen Fitness, deinem Sicherheitsbedürfnis, deinem Zeitrahmen, deinem Budget und deiner Wandererfahrung ab. Der alte Spruch „so viel nötig, so wenig wie möglich“ trifft’s wahrscheinlich auch hier mal wieder. Wichtig ist, dass du mit einem guten Gefühl startest. Für deine Planung stelle ich dir jetzt ein paar Tools und Möglichkeiten vor.
Wanderführer (Bücher)
Schön old-school und für mich immer noch ein hervorragender Weg, um an Touren-Inspiration und Gelände-Infos zu kommen. Wanderführer in Buchform, z.B. vom Rother Verlag, bieten detaillierte Karten, Routenbeschreibungen und nützliche Infos über die Umgebung. Die Touren sind meistens nach Schwierigkeitsgraden gegliedert und enthalten genaue Angaben über Länge, Höhenmeter, Wegbeschaffenheit etc.
Outdoor-Apps
Apps wie komoot ermöglichen es dir, Wanderungen zu planen, Routen auf interaktiven Karten anzuzeigen und vor Ort zu navigieren. Hier findest du wirklich ALLES, was du über eine Tour und ihre Umgebung wissen möchtest – inklusive der Möglichkeit, Touren anderer Nutzer auf dein Wanderlevel anzupassen. Das Ganze ist sehr einfach aufgebaut, so dass du die App auch gut nutzen kannst, wenn du nicht so technikaffin bist.
Wander- und Outdoorblogs
Es gibt richtig viele Blogs, die sich mit den unterschiedlichsten Touren und Gegenden beschäftigen. Auch bei mir findest du Inspiration und Infos für deine Wanderungen. Schau mal hier.
Lokale Tourismusbüros/-websites
Diese zentralen Anlaufstellen werden oft als Inspirations- und Informationsquelle unterschätzt – auch und gerade, wenn man schon länger in einer Stadt wohnt. Dabei gibt’s hier richtig viel zu holen: Wanderkarten, Broschüren und detaillierte Infos über lokale Wanderwege. Da ist für jedes Wanderlevel und verschiedene Interessen was dabei. Zudem kannst du persönlich mit Leuten sprechen, die sich in der Region gut auskennen.
Ausgezeichnete Qualitätswanderwege
Auf der Plattform Wanderbares Deutschland findest du einen Überblick über die vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneten Qualitätswege. Sie sind in der Regel sehr gut markiert und gepflegt – oft so gut, dass du nicht mal eine Karte oder ein Smartphone zum Navigieren brauchst. Du folgst einfach den Schildern oder Markierungen. Über die ausführliche Beschreibung und die angegebenen Schwierigkeitsgrade kannst du herausfinden, ob eine Tour was für dich ist.
Geführte Wanderungen
Wenn du dich gar nicht selbst mit Route und Umgebung beschäftigen möchtest, kann du dich auch einer geführten Wanderung anschließen. Private Guides oder Vereine kennen sich in ihrer Gegend sehr gut aus und haben oft für jedes Wanderlevel was in petto. Zudem können sie dir eine Einschätzung geben, welche Touren für dich geeignet sind. Ich weiß das so genau, weil ich Wanderführerin im Hannoverschen Wander- und Gebirgsverein bin. 😉
Wenn du mal mit mir mitkommen möchtest: Hier gibt es weitere Infos dazu.
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Roundhouse-Tipp zum Wandern für Einsteiger: Behalte dein Ziel im Auge und mach kleine Schritte
Es ist sehr leicht, sich vom eigenen Kopf ausbremsen zu lassen – besonders, wenn du dich auf neues Terrain begibst. Du verlässt deine Komfortzone und in dir ruft es „Bist du wirklich bereit dafür?!“ Häufig ist das die eigentliche Frage hinter den drei beschriebenen Glaubenssätzen.
Mein Tipp, um mit dieser Frage und den Glaubenssätzen umzugehen: Mach dir klar, was dein Ziel ist! Du möchtest zu Fuß mehr rauskommen – nicht mehr und nicht weniger.
Erlaube dir auf dem Weg dorthin, kleine Schritte zu machen.
Erlaube dir, auszuprobieren.
Erlaube dir, dass auch mal etwas nicht so läuft, wie du es dir gedacht hast.
Mit zunehmender Erfahrung werden die Glaubenssätze immer kleiner und unbedeutender für dich. Bis du dich irgendwann fragst: „Was war eigentlich genau das Problem?!“ Ich wünsch dir viel Spaß beim Unterwegssein!
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